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04.08.2017 13:56

Unbekannte mittelalterliche Glashütte in Boč entdeckt

Boč (Kr. Karlovy Vary): Blick ins Tal eines namenlosen Baches, in dem eine mittelalterliche Glashütte entdeckt wurde; © Autor: Kateřina Opicová.

Tropfen aus grünem Glas aus der Kulturschicht; © Autor: Martin Volf.

Standort der mittelalterlichen Glashütte. Aus einer Kulturschicht wurden Funde von Schlacke, Fragmente technischer Keramik, Schmelze sowie Tafelgeschirr und ein Tropfen aus grünem Glas geborgen; © Autor: Kateřina Opicová.

Im Februar dieses Jahres wurde nach einer intensiven Gelände- und Archivforschung eine bisher unbekannte mittelalterliche Glashütte in der Nähe von Boč (deutsch Wotsch, heute ein Ortsteil der Gemeinde Stráž nad Ohří in Tschechien) im Erzgebirge entdeckt. Überreste der Glashütte wurden bei einer Prospektion im Rahmen des ArchaeoMontan-Projektes durch das Team des Ausgräbers Martin Volf (ArchaeoMontan) vom Institut für archäologische Denkmalpflege Nordwestböhmens gefunden.

Die Glashütte findet in den mittelalterlichen Quellen keine Erwähnung, frühneuzeitliche Schriftlichkeiten überliefern den Ortsnamen "An der Glasshütte", der auf die Glasproduktion hindeutet. Signifikant sind ebenso die Ortsnamen Hut(h)berg und Glaserbach in den jüngeren historischen Karten.

Das Relikt wurde im bewaldeten Gebiet im Tal eines Baches erfasst. Aus einer Kulturschicht wurden Funde von Schlacke, Fragmente technischer Keramik, Schmelze sowie Tafelgeschirr und ein Tropfen aus grünem Glas geborgen. Die Funde ermöglichen eine eindeutige funktionelle Interpretation der Strukturen als Glashütte. Die Gebrauchskeramik erlaubt die zeitliche Einordnung in die zweite Hälfte des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Dies bestätigte auch Dr. Eva Černá, eine der führenden Expertinnen auf dem Gebiet mittelalterliche Glasproduktion im europäischen Kontext.

Einzelne überlieferte schriftliche Quellen bezeugen die Existenz einer Propstei des Benediktinerklosters Porta Apostolorum (Postoloprty), die aus Klášterec (Klösterle) nach Boč überführt wurde. Gegen Mitte des 14. Jahrhunderts kehren der Ort sowie seine Umgebung in die königliche Hand zurück.

Eine weitere detaillierte geodätische Vermessung sowie geophysikalische Analysen und andere non-invasive Untersuchungen werden im Rahmen des Projektes ArchaeoMontan durchgeführt.