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07.04.2017 10:09

Mittelalterliche/frühneuzeitliche Gebäudestrukturen an der Weißeritz prospektiert

"Sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung" sind nicht nur für den Kriminalisten sondern auch den Archäologen von größter Bedeutung.

Schlacken und Keramikfragmente; © LfA Sachsen

In einer Tiefe von 25 cm befindet sich unterhalb des Gartenbodens ein fast 60 cm breiter Mauerzug; © LfA Sachsen

Im Fall von Dippoldiswalde hat ein solcher Hinweis nun zu einer erfolgreichen archäologischen Untersuchung geführt. Über Jahre hinweg waren von einem aufmerksamen Anwohner bei Gartenarbeiten immer wieder Keramikfragmente und Schlacke beobachtet und gesammelt worden. Die umfassende archäologische Begleitung verschiedener Vorhaben in Dippoldiswalde nahm er dann zum Anlass, die Funde dem Landesamt für Archäologie Sachsen vorzulegen. Als schnell klar wurde, dass ein Teil der Scherben aus dem Mittelalter stammt, erschienen die Schlacken als mögliche Zeugnisse der Erzverhüttung in ganz neuem Licht. Das Interesse der Archäologen war geweckt.

Freundlicherweise wurde dem Team von ArchaeoMontan erlaubt, auf dem Grundstück einen Suchschnitt anzulegen. In einer Tiefe von 25 cm befand sich unterhalb des gestörten Gartenbodens ein fast 60 cm breiter in Lehm gesetzter Mauerzug. Anhand von Scherben, die zwischen den Mauersteinen und in einer an die Mauer setzenden humosen Schicht gefundenen wurden, lässt sich die Bauzeit vorläufig um das 14. Jahrhundert oder später datieren. Die Analyse der verkohlten Pflanzenreste in der humosen Schicht zeigte eine überraschende Bandbreite: Während Reste von Saathafer und Spelzgerste einen Hinweis auf die damalige Ernährung erlauben, zeichnen typische Unkräuter wie das Acker-Hellerkraut sowie Reste von Hasel und Gänsefuß ein Bild der Vegetation in der Umgebung dieses Bauwerkes.

Aber was war die Funktion dieser Mauer? Fand hier am Ufer der Roten Weißeritz außerhalb der Altstadt vielleicht die zu den mittelalterlichen Gruben/Bergwerken gehörende Metallverarbeitung statt? Diesen Fragen soll in den kommenden Monaten weiter nachgegangen werden.